Draußen vor der Tür
In Scene 3 of Draußen vor der Tür (ein Theaterstück von Wolfgang Borchert, 1947), Beckmann, a soldier who has returned from Russia, goes to see the colonel who was his superior during the Second World War. Beckmann tries to give back, almost physically, the responsibility that was assigned to him. For him, it becomes something concrete: he is responsible for eleven deaths, the colonel for more than two thousand. “What do eleven more matter to him?” he asks. “To me, they matter.”
BECKMANN: Haben Sie das ganz vergessen, Herr Oberst? Den 14. Februar? Bei Gorodok. Es waren 42 Grad Kälte. Da kamen Sie doch in unsere Stellung, Herr Oberst, und sagten: Unteroffizier Beckmann.(...) Unteroffizier Beckmann, ich übergebe Ihnen die Verantwortung für die zwanzig Mann. Am Ende der Spedition fehlen elf Mann. Und ich hatte die Verantwortung. Ja, das ist alles, Herr Oberst. Aber nun ist der Krieg aus, nun will ich pennen, nun gebe ich Ihnen die Verantwortung zurück, Herr Oberst, ich will sie nicht mehr, ich gebe sie Ihnen zurück, Herr Oberst.
Ich träume jede Nacht. Dann wache ich auf, weil jemand so grauenhaft schreit. Wer schreit da? Ich selbst, Herr Oberst, ich selbst. Das ist ulkig, nicht, Herr Oberst? Und dann kann ich nicht wieder einschlafen. Keine Nacht, Herr Oberst. Ich liege jede Nacht wach. Deswegen bin ich müde, Herr Oberst, ganz furchtbar müde.
Schlafen Sie gut, Herr Oberst? Können Sie schlafen, Herr Oberst? Mit zweitausend nächtlichen Gespenstern? Können Sie überhaupt leben, Herr Oberst, können Sie leben, ohne zu schreien? Herr Oberst, Herr Oberst, schlafen Sie nachts gut?
Beckmann ist einer von denen (one of them).
Er vertritt die Millionen Menschen, die im Krieg gestorben sind oder ihn überlebt haben (He represents the millions of people who died or survived the war).
The play begins with Beckmann throwing himself from a bridge into the river.
The audience does not know
whether he is alive — or already dead.
Beckmann benutzt das Pronomen wir.
- wir — die Toten, die Überlebenden, die Heimatlosen (the dead, the survivors, the displaced)
Opposite him, and the millions of people who died or survived the war, is another world.
Der Oberst und seine Familie (the Colonel and his family) vertreten die Welt der anständigen Leute.
The world of order, stability and respectability — Beckmann benutzt das Pronomen ihr.
- ihr — die Anständigen mit einem anständigen Haus, einer anständigen Gattin, einem anständigen Beruf (decent, wealthy, respectable people)
Weltanschauung
This opposition structures the entire scene and becomes visible in the definitions of single words.
Mond, der
a) der Mond scheint wie immer in der Nacht:
er ist gelb wie ‘n Honigbrot, wie ‘n Eierkuchen (aus der Sicht des Oberst).
b) der Mond scheint in der Nacht, wenn die Toten kommen:
er ist wie der Bauch eines schwangeren Mädchens, das sich im Bach ertränkte, so weiß, so krank, so rund (aus Beckmanns Sicht).
A Shift in Perception
War turns the world upside down. It also changes our perception of reality.
eine warme Stube, ein Tisch, ein Fenster, ein Bett (a warm room, a table, a window, a bed).
Jugend, Gesundheit, Zukunft (youth, health, future).
1. The Colonel’s point of view
The colonel and his family continue to live in a stable world of concrete happiness:
helle, warme Fenster, einen Tisch, Teller, Brot, ein neues Hemd, ein sauberes, weiches, weißes, warmes Bett, einen warmen Ofen…
(bright, warm windows, a table, plates, bread, a new shirt, a clean, soft, white, warm bed, a warm stove…)
When Beckmann returns from the war, they do not recognise him. They see him as something abstract. Almost like a Gespenst (ghost).
2. Beckmann’s point of view
Beckmann returns from the war with almost nothing.
He has only:
- seine Bürstenfrisur (his brush haircut);
- seine Gasmaskenbrille (his gas mask glasses);
- seinen alten Soldatenmantel (his old soldier’s coat).
The glasses
The colonel sees them as a useless relic:
„Werfen Sie das Zeug doch weg! Der Krieg ist aus!“
But Beckmann refuses. He says:
„Dadurch sehe ich deutlicher. Ohne sie sehe ich verschwommen.“
What is abstract to the colonel has a concrete function for Beckmann.
The coat and the shirt
The colonel offers him a clean shirt.
A sign of order, normality and respectability.
Beckmann refuses again.
For him, the clean shirt has become absurd.
How can a colonel,
with blood on his hands,
wear a clean shirt?
Who are the real Gespenster?
The colonel and his family,
sitting at the dinner table,
as if preserved in a photograph,
ignoring the destruction around them?
Or Beckmann,
with his desperate search for an answer?
Words That Change Meaning
Mensch, der
1. Aus der Sicht des Obersts
Mensch bedeutet:
-
die gewaschenen, rasierten, gut gekleideten und gut genährten Leute
(clean, well-groomed, well-dressed and well-fed people)
-
der Oberst und seine Familie
-
der Soldat, der Offizier, der General
Synonym: wir Deutsche (“we Germans”)
2. Aus der Sicht Beckmanns
Mensch bedeutet:
Synonyme:
-
Tote (the dead)
-
Knochentrümmer, Fragmente (bones, fragments)
-
Väter, Söhne, Brüder, Verlobte
-
Frauen und Kinder
-
(Über)Lebende (survivors)
Die Verständnisse gehen weit auseinander
(The understandings differ radically).
Der Oberst nennt Menschen wie Beckmann:
„diese Typen von der Truppe, die mit einem kleinen Knax nach Hause kommen“
(Those army types who come back slightly brain damaged).
Beckmann dagegen stellt die entscheidende Frage:
„Was seid ihr denn? Menschen? Menschen?“
(So, what are you? Humans? Humans?)
Beckmann sagt: Nein.
Sie erscheinen ihm fremdartig (strange, alien).
Sie erscheinen ihm blutig (bloody).
Fast wie Figuren aus den Karikaturen von George Grosz.
Your task
Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Haus.
Aber er hatte kein Brot.
Da sah er einen,der hatte Brot.
Den schlug er tot.
Du darfst doch keinen totschlagen, sage der Richter.
Warum nicht, fragt der Soldat. (Wolfgang Borchert)
Wie antwortet der Richter? Schreib den Dialog.